Nachausschreibung des Bildungsministeriums ist hilflos und eine Farce

Das Bildungsministerium hat 170 Lehrerstellen aus der Stellenausschreibung vom 18. Februar 2019 am 28. Mai 2019 noch einmal ausgeschrieben, weil sie unbesetzt geblieben sind. Die Nachausschreibung ist nur für wenige Tage offen. Bewerbungsschuss ist bereits der 03. Juni 2019, das sind gerade einmal drei Arbeitstage über das verlängerte Himmelfahrtswochenende. Sie richtet sich damit offenbar nur an jene Bewerber*innen der Hauptausschreibungsrunde, die von den Schulbehörden bisher ohne Einstellungsangebot abgelehnt wurden. Dazu erklärt der Fraktionsvorsitzende und bildungspolitische Sprecher der Fraktion DIE LINKE. im Landtag von Sachsen-Anhalt, Thomas Lippmann:

„Die Nachausschreibung ist unter den gegebenen Umständen eine Farce und offenbart die völlige Hilflosigkeit der Schulbehörden, den geänderten Anforderungen an die Gewinnung von Lehrkräftenachwuchs in Zeiten eines bundesweiten Fachkräftemangels gerecht zu werden. Es ist ein sehr hoher Preis, den die Schüler*innen für Fehleinschätzungen und mangelnde Flexibilität im Bildungsministerium zahlen müssen. Sollte es auch nach der Nachausschreibung so bleiben, dass kaum mehr als die Hälfte der Stellen aus dieser „größten Ausschreibungsrunde in der Geschichte des Landes“ besetzt werden kann, dann geht die Unterrichtsversorgung im kommenden Schuljahr weiter dramatisch in den Keller.

Statt Bewerber*innen, die auf Stellen im unflexiblen Online-Verfahren nicht passen, sofort andere Stellen anzubieten und so weitere Einstellungen zu ermöglichen, wird jetzt nach Monaten der erfolglosen Suche der untaugliche Versuch unternommen, unvermittelbare Stellen einfach noch einmal anzubieten. Offenbar besteht in den Schulbehörden noch immer die Auffassung, man müssen seine Besetzungswünsche nur lange genug feilbieten, bis sich die Bewerber*innen letztlich danach richten. Im Ergebnis wird weiterhin ein Großteil der Stellen nicht besetzt werden können und dennoch stehen Bewerber*innen vor verschlossenen Schultüren, die eigentlich entschlossen waren, an Sachsen-Anhalts Schulen zu unterrichten.

Erschwerend kommt hinzu, dass etwa die Hälfte der Neueinstellungen sogenannte Seiteneinsteiger sein werden, für die nach wie vor ein umfassendes Qualifizierungskonzept fehlt. Viele von ihnen verlassen deshalb den Schuldienst nach wenigen Monaten wieder, weil sie den Anforderungen des Berufes nicht gewachsen sind oder durch schwierige Einsatz- und Arbeitsbedingungen und zu wenig Unterstützung scheitern. Sie reißen neue Lücken in die Unterrichtsversorgung, die nicht geschlossen werden können.

Die LINKE verlangt von der Landesregierung endlich eine komplette Neuausrichtung bei der Gewinnung des Lehrkräftenachwuchses und ein Konzept zur Qualifizierung und Unterstützung der vielen Seiteneinsteiger. Der Bildungsminister kann sich nicht länger hinter der Behauptung verstecken, er tue ja bereits alles und die Schuld für die Misere läge bei seinen Vorgängern. Die aktuellen Probleme sind vor allem hausgemacht und es ist Minister Tullner, der die Verantwortung dafür trägt.“

Quelle: DIE LINKE. Fraktion im Landtag von Sachsen-Anhalt

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